7.9.-9.9.
Irgendwann wurde ich von irgendwem gefragt, ob ich nich Lust hab, mitzufahrn auf ne Hütte am Fjord. Und natürlich hab ich mich bei so einer Gelegenheit nich zweimal fragen lassen. Klar war ich da am Start, obwohl ich noch nich alle Leute kannte, die da mitgefahrn sin. Aber deswegen macht man solche Ausflüge, um Leute besser kennenzulernen.
Naja, wir sind Freitag Mittag um eins gestartet. Am der Busstation haben sogar von Anfang an das richtige "Gate" gefunden und zu meiner Verwunderung waren wir mehr als pünktlich.

Naja, dann saßen wir erstmal ne Weile in einem doch noch recht komfortablen Bus. Leider konnte man von der Landschaft an diesem Tag nich allzu viel erkennen: Es hat gepisst wie Sau. Aber mit ein wenig Phantasie konnte man wunderschöne Buchten, Fjorde und Wälder erahnen.

In Knarvik haben wir dann den Bus gewechselt. Der andere Bus war kleiner und nich so komfortabel. Das hatte jedoch einen Grund: Die Gässchen, die uns von nun an zwischen Schluchten und Steilhängen entlangführten, wären für einen größeren Bus nich ausgelegt. Und wir mussten mehrere Male den Rückwärtsgang einlegen, da uns ein Auto entgegen kam und wir die Haltebucht schon passiert hatten. Unsere Johanna, die wir zum Busfahrer vorgeschickt hatten, da sie relativ gut norwegisch kann, meinte der Busfahrer würde uns bescheid sagen, wenn wir da sind. Naja, er hat uns auch irgendwann mitten in der Pampa abgesetzt. Es hat geregnet, wir waren schwer bepackt und wir standen irgendwo im nirgendwo. Doch das konnte nur wenige von uns entmutigen und nach einiger Suche und noch etwas Fußmarsch haben wir tatsächlich die richtige Hütte gefunden. Von außen sah sie recht einladend aus.

Dieser Eindruck hat sich im Inneren der Hütte, die eigentlich schon ein ausgewachsenes Haus war, bestätigt. Geräumig, denn es bietet Platz für ca. 10-12 Personen und verfügt über einen großen Wohnraum mit Essecke und mehrere Schlafzimmer.

Selbst das Bad war relativ komfortabel, dafür dass es eine typische norwegische Nasszelle war. Der einzige Mangel, den das Bad meiner Meinung aufwies, war das Fehlen eines Schlüssels in der Tür. oder vielleicht sollte ich besser sagen, die Funktionslosigkeit des vorhandenen Schlüssels in der Tür. Aber auch das war gar nich so wild und man konnte es überleben. Die küche war ziemlich neu und verfügte sogar über so Späße, wie Mikrowelle, Gefrierschrank, Backofen und großem Kaffeeautomat.


Die Schlafzimmerverteilung war auch ganz spaßig. Und ich muss zugeben, ich hab mich gefühlt, als wäre ich nochmal 16 und in einer Jugendherberge. Und das mit nur einem Unterschied: Gemischte Zimmer. Ich landete also mit Volker auf einem Zweierschlafzimmer mit getrennten Betten und war damit sehr zufrieden. Achja, das, was uns als hauseigener Whirlpool gerüchteweise angekündigt war, stellte sich als ein sehr verdrecktes und vermodertes Betonbecken hinter dem Haus heraus. Volker und ich fassten später den Gedanken, das Ding nackt sauber zu machen, wozu wir jedoch leider nich mehr kamen.

Den Freitagabend verbrachten wir damit uns zuerstmal gehörig den Bauch voll zu schlagen. Danach machten wir es uns auf dem Sofa gemütlich und pfiffen uns einige Bierchen rein, was die Runde zu vorgerückter Stunde immer lustiger machte und einige Klassiker an dummen Sprüchen durch den Raum gingen, über die man noch heute lacht, wenn man sich begegnet....Jo, wir hatten echt unsern Spaß. Doch all die lustigen Dinge aufzählen, würde keinen Sinn machen, da muss man schon dabei gewesen sein.



Am nächsten erwachte ich sehr früh in meinem viel zu unbequemen Bett mit den mega Rückenschmerzen. Das war echt nicht lustig. Ich konnt mich kaum bewegen.Naja, der Tag begann so, wie der gestrige geendet hatte. Nein, nich mit nem Bier. Sondern mit viel Regen. Treppe runtergestolpert und erstma nen Kaffee gemacht. Dann so langsam ma das Wohnzimmer aufgeräumt und die Partyrückstände beseitigt, bis die andern Weicheier (nix für ungut, leute) ma ausm Bett gekrabbelt kamen und sich nach und nach im erdgeschoss einfanden. Dick gefrühstückt. Irgendwie ham wir dann bissi gegammelt. Muss man sich ja auch mal gönnen.
Gegen Mittag sind wir dann losgezogen das Bootshaus am Fjord suchen und das Boot startklar zu machen. Ich hatte so ein wenig meine Schwierigkeiten mich durch die Kuhweide zu trauen, aber ich hatte ja den mutigen Volki an meiner Seite, der mich damit beruhigt hat: "Die wollen doch nur glotzen! Kühe wollen immer nur glotzen." Wir ham uns dann echt mit dem Boot raus gemacht auf den Fjord. Die ersten Ruderschläge waren noch etwas unbeholfen.

Doch mit der Zeit entwickelten wir uns zu richtigen Ruderassen. Wir hatten Angelruten im Bootshaus gefunden, die zwar verknotet aber brauchbar waren. Helen war unsere fachmännische Angelschnur-Entwirrspezialistin.

Als wir dann weit genug draußen waren, warfen wir die Angelschnüre. Ich kann dafür keine Geduld aufbringen. Ständig war ich die andern am Stressen, dass wir doch zurück rudern sollten, weil wir voll weit raustreiben und so. Dann kam auch für einige wenige minuten mal die Sonne raus, und wir konnten vom Boot aus ganz gute Bilder machen.




Naja, wir hatten trotzdem unsern Spaß auf dem Fjord, obwohl das Wetter halt größtenteils nich so mitgespielt hat und der große Fang leider auch ausblieb. Aber da wir damit gerechnet hatten, war für das Abendessen durch Einkäufe gesorgt. Und wir konnten uns getrost mit leeren Angeln wieder auf den Heimweg machen. Die Rudercrew hat sich dann noch einmal vor unserem Haus zum Posen aufgestellt. Sieht schon lustig aus, gelle?

Den Abend verbrachten wir wieder auf der Hütte, dieses Mal nur leider mit viel zu wenig Alkohohl, da wir unsere Bierreserven schon freitags fast vernichtet hatten und auch das am Samstag mitgebrachte Bier von den Franzosen, war schneller alle, als uns lieb war. Doch es war trotzdem sehr spaßig. Mein Physiotherapeut DR. Volki hat dann noch versucht meine Rückenschmerzen wegzumassieren, was leider nich so richtig funktioniert hat. Das lag aber nich an Volkers Massagekünsten, sondern an meinen viel zu harten Muskeln. Zitat: "Da kann ich auch gleich ne Mauer massieren."



Jo, da wir heute eine Person mehr waren, hatten Volki und ich dann Nadine aufm Zimmer. Nein, wir ham nich in einem Bett geschlafen. Ich hab mich auf den Boden gepackt, was meinem Rücken doch irgendwie gut getan hat. Alles is besser als die olle Schaumstoffmatraze in diesem ollen Bett.
Der Sonntag begann wieder mit Kaffee und aufräumen. Das Wetter war noch mieser als am Vortag. Doch das hielt uns nich davon ab, etwas zu unternehmen. Einige ganz Bekloppte waren im Fjord baden, Nadine und Johanna waren wandern, obwohl die Sicht aufgrund von Nebel echt beschissen war. Naja, und Lisa, Volker und meine Wenigkeit waren heute mit dem Boot aufm See draußen. Unser Oberangler hat mal wieder auf den großen Fang gehofft, was natürlich ausblieb, da Fische bei Regen eh nich beißen. Wir haben dann auf der Insel Rast gemacht, weil es geregnet hat wie Sau. Nur leider konnten die Bäume dort den Regen nich wirklich abhalten und wir kamen sehr durchnässt, nach unserem Rudertripp wieder in der Hütte an.
Gegen sieben Uhr verließen wir dann das Haus und machten uns im strömenden Regen auf den Weg zur Bushaltestelle. Dort angekommen, stellten wir fest, dass die ihre Briefkästen im Bushäuschen hängen haben, was an sich schon recht ulkig is. Als wir dann gesehn haben, dass auf jedem Briefkasten der gleiche Name, nämlich Kvinge, stand, waren wir schon sehr amüsiert und tauften das Tal in Inzuchtal. Doch der Oberhammer war, als Andi dann den glorreichsten Spruch des Wochenendes brachte: "Kvinge heißt bestimmt nur Briefkasten." Ja, natürlich. Ich schreibe auch Tanja Briefkasten auf meinen Briefkasten. So ein Depp.
Irgendwann abends waren wir dann wieder in Bergen. Und es regnete immer noch.
Aber im Großen und Ganzen hatten wir trotz dem miesen Wetter ein sehr geiles Wochenende mit vielen lustigen Sprüchen und Aktionen im Briefkastental. Und wir überlegen auch, im Sommer wieder dahin zu fahren, wenn das Wetter etwas besser ist und man die norwegische Landschaft noch mehr genießen kann.